Manuelle Therapie

Definition Manuelle Medizin

 

Laut Kursbuch der Bundesärztekammer zum Erwerb der Zusatz-Weiterbildung „Chirotherapie/Manuelle Medizin“:

 

Die Manuelle Medizin ist die medizinische Disziplin, in der unter Nutzung der theoretischen Grundlagen, Kenntnisse und Verfahren weiterer medizinischer Gebiete die Befundaufnahme am Bewegungssystem, dem Kopf, viszeralen und bindegewebigen Strukturen sowie die Behandlung ihrer Funktionsstörungen mit der Hand unter präventiver, kurativer und rehabilitativer Zielsetzung erfolgt. Diagnostik und Therapie beruhen auf biomechanischen und neurophysiologischen Prinzipien.

 

Quelle: Osteopathische Medizin, 11. Jahrg., Heft 01/2010, S. 11, Elsevier, Urban und Fischer

Geschichte der Manuelle Medizin

 

Erste überlieferte Berichte stammen aus Kleinasien und Ägypten , ca. 3000 vor Chr. .

 

Hippokkrates (460 -377 v. Chr.)

überliefert zahlreiche Schriften und Lehrsysteme, auch der Manuellen Meizin (Corpus Hippocratum,Pedi-,Mani-pulation)

 

Claudius Galenus (131 - 202 n. Chr., Galen)

kommentierte die Abhandlungen von Hippokrates

 

Avicenna (1000 n. Chr., Bagdad)

beschreibt und illustriert Manipulationen

 

Ambroise Pare (1550, franz. Chirurg)

beschreibt Mobilisationsbehandlungen

 

Johan Schults (1700)

deutsche Arbeiten über diese Behandlungstechniken , auch mit Traktionsbänken

 

Während der nächsten 200 Jahre geriet die MT in Vergessenheit und wurde nur noch als Volksmedizin eingesetzt. In Ostdeutschland waren dies Laienbehandler als "Gliedersetzer", im Angelsächsischen als "bone setters" bekannt.

 

Andrew Still (1874, Arzt, Kirksville/USA)

begann sich für die Arbeiten von Hippokrate zu interessieren und gründete zur Weitergabe dieser Techniken eine Schule für Osteopathie. Ca. 100 Jahre später wurde die osteopathische Ausbildung in den USA anerkannt und dem Status eines Arztes gleichgesetzt ( D.O. = Doctor of Osteopathie).

(Dieser Abschluß ist jedoch nicht gleichzusetzen mit der in Europaebenfalls benutzten Abkürzung ( D.O. = Diplom of Osteopathie),die lediglich einer normalen Schulausbildung mit Abschlußexamen entspricht, äquivalentzum Diplomabschluß in NOMT.)

 

D.D. Palmer (1895, Laie,USA)

sammelt als Autodidakt und durch Kontakte mit Still und anderen Osteopathen sein Wissen über diese Therapie und gründet die Schule füe "Chiropraktik".

 

Nach dem 2.Weltkrieg begannen auch deutsche Ärzte sich für Chiropraktik zu interessieren. Einer der ersten war Dr.Gutmann (Hamm/Westfalen) und Dr. Sell (Neutrauchburg).

 

1953

gründete sich der FAC in Hamm (Forschungsgesellschaft für Arthrologieund Chiropraktik).

 

1956

gründete sich die MWE in Neutrauchburg (Gesellschaft der Ärzte fü manuelle Wirbelsäulen- und Extremitätentherapie).

 

1966

bildeten beide Gesellschaften eine Dachorganisation : DGMM (Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin).

 

Dr.James Mennell, Dr. James Cyriax und Alan Stoddard

waren nach dem ersten Weltkrieg die Ersten, die auch Physiotherapeuten in den osteopathischen und chiropraktischen Techniken unterrichteten.

 

Professor F. Kaltenborn (Mi, USA)

ließ sich von diesen Lehrern ausbilden und fügte sein Wissen mit dem von sechs weiteren norwegischen Physiotherapeuten, die ebenfalls verschiedene Weiterbildungen besucht hattten, zu einem sog. norwegischen Konzept zusammen.

Seit 1954 unterrichteten diese Physiotherapeuten dann zuerst in Norwegen, später auch verstärkt im Ausland ihr "nodisches Konzept" : die manuelle Therapiein der Physiotherapie war damit geboren. F.Klatenborn hat sich hierbei vor allem in Deutschland etabliert. Er begann 1955 in der FAC zu unterirchten und war ab 1958 offizieller Lehrer der Gesellschaft.

 

1974

gründeten Länder, die bis dahin eine Ausbildung in Manueller Therapie anboten, als Untergruppe des WCPT, die IFOMT (International Fedration of Orthopaedic Manipulative Therapists).

 

1984

startete der IFK (Interessenverband freiberuflicher Krankengymnasten - heute : Bundesverband selbstständiger PhysiotherapeutInnen) mit der Ausbildungin Manueller Therapie nach den Richtlinien der IFOMT, unter der Leitung von. A. A. Brokmeier.

 

1986

fand das erste IFK-Mobilisationsexamen nach internationalen Richtlinien für Krankengymnasten in Deutschland statt.

 

1986

F.Kaltenborn und O.Evjenth bieten ebenfalls eine volle internationale Ausbildung in Manuller Therapie an.

 

1988

erstes internationales Mobilisationsexamen unter F. Kaltenborn.

 

1989

erstes internationales Manipulationsexamen unter F. Kaltenborn.

 

1992

Gründung der EFAMT (European Federation of Academies for Manual Therapy) zwischen der niederländischen Schule Amersfoort (SOMT) und der IFK-Schule.

 

1992

gründet sich die Dachorganisation für MT (DFAMT, Deutsche Förderative Arbeitsgemeinschaft Manuelle Therapie) und wird in die IFOMT aufgenommen.

 

1993

erstes internationalesManipulationsexamen unter A. A. Brokmeier.

 

1995

MT wird offizielles Pflichtfach an deutschen Physiotherapieschulen.

 

1997

Verabschiedung derv ersten natuional gültigen Richtlinien fürdie Ausbildung in Manueller Therapie, durch die Spitzenverbände der Krankenkassen.

 

2001

Erste offizielle Richtlinien zur MT-Fachlehrerausbildung durch die Spitzenverbände der Krankenkassen.

Eingliederung der Manuellen Therapie

 

Anzuwenden in nahezu allen medizinischen Fachbereichen, insbesondere in der Orthopädie, Neurologie, Rheumatologieund Traumatologie.

 

Aus der Leistungsbeschreibung der VdaK-Kassen :

Von den Therapeuten durchgeführte Teil der Manuellen Medizin auf der Grundlage der Biomechanik und Reflexlehre zur Behandlung von Dysfunktionen der Bewegungsorgane mit reflektorischen Auswirkungen. Sie beinhaltet aktive und passive Dehnung verkürzter muskulärer und neuraler Strukturen, Kräftigung der abgeschwächten Antagonisten und Gelenkmobilisation durch translatorische Gelenkmobilisationen. Anwendung einer gezielten impulslosen Mobilisation oder von Weichteiltechniken. Die krankengymnastische manuelle Therapie enthält keine passiven Manipulationstechniken von blockierten Gelenkstrukturen an der Wirbelsäule.

Quelle: Skript "Neuroorthopädische Manuelle Therapie", WidmannSeminar

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